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Körperintelligenz – wie du (wieder) lernst, auf deinen Körper zu hören

Hast du dich schon einmal ganz bewusst mit der Sprache deines Körpers beschäftigt? Damit meine ich, bewusst wahrzunehmen, wie du deinen Körper erlebst. Welche Signale er dir sendet. Wie er sich in bestimmten Situationen anfühlt.  Wie er mit dir „spricht“. Was er dir „erzählt“.

Deinen Körper wahrnehmen. Ihm zuhören. Bedeutet, dass du ihm all deine Aufmerksamkeit schenkst. Erkennst, dass du mit und durch ihn lebst – Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden. Aber, geht es dir tatsächlich auch so, dass du, eigentlich dein ganzes Erwachsenenleben über, den Fokus überwiegend auf dem Kopf hast? Den Gedanken. Den Sorgen. Den Erwartungen. Und, dem Kontakt zum übrigen Körper darüber kaum Aufmerksamkeit schenkst?

Wenn du dir deines Körpers bewusst bist, stellt sich eine Harmonie ein. Ein Einklang mit dir selbst. Atmung kann frei fließen. Bewegungen passieren unbewusst, aber sinnvoll und koordiniert. Deine Wahrnehmung gewinnt an Schärfe und du bist viel energetischer. Dein Körper weiß, was ihm guttut und macht einfach. Ein bisschen wie bei einem Tier oder einem kleinen Kind. Doch warum ist das so? Weshalb verlieren wir die Fähigkeit unserem Körper zuzuhören?

 

Vom Kind zum Erwachsenen

Als kleines Kind bist du unentwegt damit beschäftig, die Welt zu entdecken. Erfahrungen zu sammeln. Deinen Gleichgewichtssinn zu kennenzulernen. Die Grenzen deiner Kraft und Geschicklichkeit auszutesten. Du lebst mit allen deinen Sinnen. Verarbeitest viele Eindrücke. Stehst anderen Menschen unvoreingenommen gegenüber. Die natürliche Fähigkeit des Empfindens ist in ihrer puren Form noch vorhanden. Kein Stress und keine Erwartungshaltung von außen haben Einfluss auf dich.

Auf dem Weg des Erwachsenwerdens geht viel von dieser Spontaneität und unserem intuitiven Körperempfinden verloren. Körper und Geist driften immer weiter auseinander. Wir fühlen uns weniger verbunden mit unserem physischen Selbst. Geht es dir auch so? Je mehr dein Kopf deine Handlungen steuert, desto unbehaglicher und unzufriedener über dein Äußeres wirst du. Bewegungen können nicht mehr fließen und wirken immer mechanischer. Trainierter. Gelernter.

 

Körperintelligenz im Alltag

Wenn wir das Gefühl für die Sprache unseres Körpers überhören, ist es ein „Überpinseln“ dessen, was wir eigentlich möchten. Nehmen wir als Beispiel eine Entscheidungsfindung. Einen Job annehmen oder kündigen. Eine Beziehung beenden oder bleiben. Solche Entscheidungen fallen den meisten von uns schwer. Wenn wir unserem Körper zugewandt sind und auch ihn zu Wort kommen lassen, geben wir uns eine bessere Chance eine stimmige Entscheidung zu treffen.

Wenn Körper, Emotionen und Gedanken gleichermaßen zu Wort kommen, ist es leichter, eine „runde“ Entscheidung zu treffen und sie dann auch zu spüren.

 

Wie wir uns selbst manipulieren

Es müssen ja nicht immer die ganz großen Entscheidungen im Leben sein, die einen großen Einfluss auf uns haben. Bereits alltägliche Entscheidungen können unser Leben beeinflussen.  Stell dir vor, du nimmst Arbeit mit nach Hause. Im Büro hat dir am Ende des Tages einfach die Zeit gefehlt.

Kaum kommst du zur Tür herein, möchtest du dich hinsetzen und das Projekt in Angriff nehmen. Deine Augen brennen. Dein Rücken tut weh. Vom langen Tag im Büro. Du setzt dich an den Schreibtisch und probierst und versuchst. Aber, es mag nicht richtig „flutschen“. Und so sitzt du dort stundenlang und endest mit einem wenig zufriedenstellenden Ergebnis.

Du warst müde. Konntest keinen klaren Gedanken fassen. Dein Körper hat dir gesagt: „Gönn dir eine Pause.“ Mit einem kurzen Powernap oder einer kleinen Meditation hättest du deine Batterien vielleicht aufladen und viel effektiver arbeiten können. Dein Körper hat dir mit seiner Intelligenz, der Erschöpfung und den Verspannungen, ein Signal gesendet. Aber viel zu oft werden solche Signale von uns überhört. Vielleicht nimmst du sie wahr, aber schiebst sie bei Seite, mit Gedanken wie:

  • Ich darf keine Pause machen.
  • Ich habe noch nicht genug erledigt.

Um dem natürlichen Bedürfnis deines Körpers nach Balance entgegenzuwirken, greifst du vielleicht zu Kaffee, um dich wachzuhalten. Vielleicht wirkst du auch gar nicht physisch gegen an, aber, dich packt das schlechte Gewissen und du wirst unruhig. Und dagegen kommt auch deine innere Stimme nicht an. Du findest mehr und mehr Gründe, weshalb du noch durchhalten musst. Entwickelt sich aus diesem Verhalten eine Routine, kann das beispielsweise in Form von Schlafstörungen, Verspannungen und depressiven Verstimmungen zum Ausdruck kommen.

 

Körperintelligenz wieder spüren

Deine Körperintelligenz nutzen, bedeutet:

  • dich ausgeglichen zu fühlen
  • entspannt und zufrieden zu sein
  • mehr Energie zu haben
  • dich lebendig zu fühlen
  • dein Selbstvertrauen zu stärken
  • die ganze Gefühlspalette wahrzunehmen

Du findest, es klingt so logisch und dein Körper verdient diese Aufmerksamkeit? Aber, dennoch findest du es schwierig, wieder dieses Gefühl für dich zu entwickeln, das du als Kind einmal hattest? Das verstehe ich gut. Und auch ich muss mich immer wieder daran erinnern, nach innen zu horchen und zu spüren, was braucht mein Körper gerade.  Zu diesem Zweck habe ich mir eine kleine Liste erstellt, die ich gern mit dir teilen möchte:

 

4 Punkte, die dir dabei helfen, auf die Bedürfnisse deines Körpers einzugehen:

  1. Du bist erschöpft? Dann sind selbst 10 Minuten über dein Limit zu viel. Erkenne es an und höre auf, wenn es über deine Grenze hinausgeht.
  2. Gönne es dir, deinen Körper bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel mit der Frage: „Wie geht es mir eigentlich gerade?“
  3. Höre auf, dich mit gewohnten Schmerzen, Verspannungen oder Blockaden abzufinden
  4. Körperintelligenz-Übung:
  • Fokussiere dein Inneres.
  • Atme bewusst und lange aus.
  • Entspanne dich mit jedem Ausatmen immer mehr
  • Nimm deinen Körper wahr:
    Wo ist es verspannt, wo entspannt? Wo ist es gehalten, wo fließt es?
    Vertraue deiner Wahrnehmung: Was brauchst du gerade?

Einen Powernap. Einen Spaziergang. Kontakt zu lieben Menschen. Etwas Leckeres zu essen. Höre genau hin, was dein Körper dir sagt.

 

Keine Zeit? Keine Entschuldigung!

Keine Zeit für eine Runde Mittagsschlaf. Erst noch das ToDo erledigen. Dann ist Zeit für die Meditation. Das ist das Denkmuster, das die meisten von uns haben. Aber, seien wir ehrlich: Funktionieren wir auf Sparflamme nicht nur halb so gut? Wenn wir unsere Batterien aufgeladen haben (durch, was auch immer gerade das Richtige für dich ist), arbeiten wir viel effizienter. Sind kreativer. Konzentrierter. Mit mehr Spaß bei der Sache.

Vertraue der Intelligenz deines Körpers und höre ihm zu. Seine Dankbarkeit wirst du in vielerlei Hinsicht zu spüren bekommen:

  • Du wirst feinsinniger
  • Dein Realitätssinn wird ausgeprägter
  • Du gewinnst an Stärke
  • Du wirst selbstbewusster
  • Du wirst gelassener und nimmst das Leben leichter
  • Du entwickelst eine liebevolle Beziehung zu dir selbst
  • Du beugst Stress und Verspannungen vor.
  • Du wirst achtsamer im Umgang mit dir und deinem Körper.
  • Du beugst Krankheiten vor.
  • Du erkennst deine physischen und psychischen Grenzen
  • Du bist fokussierter
  • Du bist kreativer

Du siehst also: an der richtigen Stelle etwas Zeit zu investieren, kann sich lang- und kurzfristig positiv auf dein Leben auswirken. Egal, ob du generell ruhiger werden, oder nur das bevorstehende Projekt mit voller Konzentration abschließen möchtest. Dein Körper sagt dir genau, was du brauchst, wenn du ihn reden lässt.

Dieses Körperbewusstsein zu entwickeln oder der Intelligenz deines Körpers zu vertrauen, erfordert Zeit, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen. Was hältst du davon, die kleine Körperintelligenz-Übung einmal am Tag zu machen, um am Ball zu bleiben? Erst ein paar Minuten und dann jedes Mal ein wenig länger. Mit kleinen Schritten wie diesen, kannst du deine bewusste Körperwahrnehmung verfeinern. Jeder kleine Schritt lohnt sich, macht Spaß und hat einen sofortigen Effekt. Und je häufiger du es tust, um so mehr wächst etwas Großes und zutiefst Erfüllendes in dir heran: der Einklang mit dir selbst.

 

Fang einfach an.

Go for it!

 

Alles Liebe,
deine Imke

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